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Konradsblatt (Freiburg) Nr. 48/2001:

"Heute schon gefreut?"

Ein ökumenisches Gottesdienstexperiment in Markdorf

Wenn sonntags viele Kirchenbänke leer bleiben, heißt es nicht zwangsläufig, dass sich die Menschen nicht für Gott interessieren. Vielleicht fühlen Sie sich eher von der üblichen Gottesdienstform nicht angesprochen. Christen aus Markdorf und Bermatingen am Bodensee schlossen sich deshalb zur Initiative "Blickpunkt G" zusammen und luden zu einem ungewöhnlichen Gottesdienst ein. Thema: "Heute schon gefreut?"

Der Saal im evangelischen Haus im Weinberg in Markdorf ist einladend geschmückt. Unaufdringlich werden die Gottesdienstteilnehmer empfangen; sorgfältig sind Zettel, Fragebogen und Kuli auf jedem Sitzplatz ausgelegt - alles wird man später brauchen. Nur die Blätter fehlen. Noten und Texte werden an die Wand projiziert. So bleiben die Hände frei zum Klatschen, und Papiergeraschel entfällt.

Etwa 100 Menschen haben sich eingefunden zu diesem ersten Gottesdienst, den das 15-köpfige Team von "Blickpunkt G" vorbereitet hat. Die Musikgruppe "Aufbruch" der Kirchengemeinde St. Gallus in Tettnang spielt deutsch- und englischsprachige Lieder, die viele Besucher unverzüglich mitsingen.

Auffallend ist das Bemühen um eine persönliche Atmosphäre, das auch in der Begrüßung von Moderator Klaus Schreiner spürbar ist. Er ist der Initiator von "Blickpunkt G", sorgt mit erläuternden Aussagen immer wieder für Transparenz und kündigt die verschiedenen Abschnitte des Gottesdienstes an. Zum Beispiel Theaterstück, Interview, Hinausbegleiten der Kinder zur Kinderkirche oder Predigt. Für angestammte Gottesdienstbesucher ist die Verwendung moderner Medien wie Funkmikrofon, Projektor oder die Unterlegung der Predigt mit Folien, ungewohnt. Sie gehört jedoch zum Konzept. "Wir wollen die Menschen in einer zeitgemäßen Sprache und mit zeitgemäßen Formen ansprechen", so Klaus Schreiner.

Wo sonst Lesung, Evangelium und Auslegung der Predigt ihren Platz haben, gibt es Statements und Erfahrungsberichte. "Wir sind Laien", so Blickpunkt-G-Mitarbeiter Arno Knauber, der selbst in der evangelischen Kirchengemeinde aktiv ist. "Unsere Zielgruppe also Menschen, die nie oder kaum Kontakt zu Gemeinden hatten, steht weit weg von der Theologie an sich. Die Menschen finden eher einen Bezug über ihr persönliches Leben."

Ein Interview mit Gabriele Schaefer liegt genau auf dieser Linie. Authentisch erzählt sie von ihrem Glauben. Regen Gebrauch machen die Gottesdienstbesucher danach von der Möglichkeit, Fragen aufzuschreiben, die von drei Mitarbeitern auf dem Podium beantwortet werden. Die Kinder ab drei Jahren stoßen gegen Ende wieder zu den Erwachsenen. Nach dem Gottesdienst kann man sich im selben Raum mit Saft, Äpfel und Brezeln stärken und ins Gespräch kommen. Dabei erzählt eine Besucherin, dass ihr die lockere Atmosphäre und die fließende Abfolge gut gefallen habe. Ein Ehepaar lobt, dass die Themen der weiteren Gottesdienste ("Ist die Welt noch zu retten?" und "Keine Zeit?") interessant und lebensnah seien. "Mir gefällt, dass einem nicht alles vorgesetzt wird und dass der Gottesdienst nicht zu ritualmäßig abläuft", sagt die Frau. Ein weiterer Besucher vermisst eine Zeit der Stille. "Etwas zu viel Talk und Technik", meint er, "außerdem hätte ich mir eine tiefere inhaltliche Auseinandersetzung gewünscht."

Die Gottesdienstzeit um 17 Uhr wurde bewusst gewählt, um mit keiner Kirchengemeinde zu konkurrieren. "Wir wollen keine Konkurrenz, sondern die Verbindung zu den Kirchen halten", so Arno Knauber. "Eines unserer Ziele ist, dass die Leute einmal in den Gemeinden aktiv werden."

Viele Blickpunkt-G-Mitarbeiter sind in ihren Gemeinden aktiv. Doch die Erfahrung der Begrenztheit durch starre Strukturen ließ ihr Engagement oft an Grenzen stoßen. "Jede Änderung des Bestehenden verletzt jemanden, und manches ist einfach nicht möglich. Deswegen wollen wir mit unserem Gottesdiensten etwas Neues schaffen, jedoch als Ergänzung und Bereicherung zum Angebot der Gemeinden."

Bernhild Hagemeister

Kontakt: info@blickpunkt-g.de